
Nordseeradweg, Dänemark Aug 2024
Factbox
755km
Durchschnitt 95km
8 Tage
5x Shelter
2x Camping,
1x Regen
Nordsee-Feeling oder vom Winde verweht
Wie bereits beim Bericht zur Nordkap-Reise beschrieben, bin ich langsam vom Nordkap zurückgereist. Nach der Reise durch ganz Norwegen (nachdem ich leider keine Reservierung fürs Rad bekommen habe, bin ich den größten Teil der Strecke mit der Fähre gefahren- die schönen Havila-Schiffe sind zu empfehlen ) habe ich Ende Juli meine Füße wieder auf dänischen Boden gesetzt. Der starke Wind hätte mich fast umgehauen und auch das Radeln ab Hirtshals war zu Beginn sehr fordernd. Mit Dänemark habe ich mich – nicht nur wegen des extremen Gegenwindes – erst langsam angefreundet. Flach, windig, mit wenig Abwechslung – die atemberaubende Landschaft Norwegens fehlte mir.
Von Dünen und Deichen – Dänische Nordsee mit dem Rad erkunden
Ich habe für meine nächste Reiseetappe den Weg entlang der Nordseeküste von Hirtshals bis nach Hamburg gewählt. Sehr praktisch sind die Shelter in Dänemark – man findet sie mitten im Wald, an Kinderspielplätzen, in Strandnähe, bei Leuchttürmen..und zu allererst auf der praktischen Shelter-App.
Die Reise führte mich über Thorup, Agger, Bork Vikingehavn (ungewollt ins Bork Festival reingestolpert), Ribe (inkl. Besichtigung von Dänemarks ältestem Dom), Husum, Glücksstadt.
Den größten Teil der Strecke bin ich am EuroVelo 12 (Nordseeküsten-Route) entlang gefahren. Relativ gut ausgeschildert, meist auf Asphaltwegen, aber auch auf Schotter und Sand (kräftezehrend).
In Dänemark und Norddeutschland habe ich mehr Kühe, Schafe, Wildhasen und Nacktschnecken als andere Reisende gesehen. Diese traf ich meist abends bei Sheltern.
Nordseeradweg – Dänemark
Ein letzter kurzer Stopp und Moment der Einkehr
Kurz vor meiner Ankunft in Hamburg machte ich einen letzten Halt in Blankenese. Am Straßenrand verkochte ich meine letzten Essensreste im Gaskocher und bekam dabei so manche schiefen Blicke. 😉 Wochenlang hatte ich mir keine Gedanken über Verhaltensnormen, materielle Dinge oder mein Aussehen gemacht. Mein Leben war einfach, reduziert auf das Wesentliche. So schnell ist man zurück am Boden der Realität. 😉
Nordseeradweg – Hamburg
Von Hamburg war ich dann trotzdem sehr begeistert – dank meiner Gastgeber und auch, weil die Stadt wirklich sehr viel zu bieten hat: Segeln auf der Alster, Fischbrötchen essen bei den Landungsbrücken oder mit dem Rad durch den alten Elbtunnel fahren.
Nach Hamburg ging es mit dem Flixbus weiter nach München, wo ich eine kurze Nacht verbrachte, bevor die letzte Etappe meiner Reise begann: Von München nach Salzburg. Nach fast 4.500 Kilometern in den Beinen fühlte sich die ca. 160km lange Strecke fast wie eine entspannte Spazierfahrt an.
Nordseeradweg – letzte Etappe
Der Wert des Einfachen – Freiheit auf zwei Rädern
Beim Ankommen vor der eigenen Haustür war ich so erfüllt von Dankbarkeit – für die Freiheit, die ich während der Reise erfahren hatte, für die Begegnungen mit so vielen lieben Menschen (und die Lieben, die zuhause warteten), für das Gefühl, in und mit der Natur zu leben und für die Möglichkeit, mich selbst noch besser kennenzulernen (auf meine Intuition und meinen Körper ist Verlass 😊). Ich habe in diesen Wochen den wahren Luxus im Einfachen gefunden.
In der Rückkehr zu den Annehmlichkeiten des Alltags – dem eigenen Bett, fließendem Wasser und einer warmen Dusche – wurde mir erst so richtig bewusst, wie sehr man die kleinen Dinge des Lebens schätzt, wenn man für eine Weile auf sie verzichtet hat.
Tipp:
Shelter-App; Schönster Shelterplatz: bei Agger kurz vor einem Leuchtturm
Bonusmaterial Parenzana
Der Weg zurück in den Alltag und von der Bewegung an den Büroschreibtisch ist nach langen Reisen nicht immer einfach. Zum Glück gab es da gleich ein verlängertes Wochenende, das sich für eine kurze „Flucht“, einen sehr spontanten Trip ans Meer angeboten hat.
Mit dem Zug ging es nach Triest und von dort entlang der Parenzana nach Porec und wieder retour. Was für ein Kontrastprogramm zum Norden: 37 Grad Lufttemperatur, 30 Grad das Wasser, Massentourismus, überfüllte Campingplätze, Schlafen im Seidenschlafsack (statt frieren im dicken Daunenschlafsack) und kein ruhiges Fleckchen weit und breit. Trotzdem hat diese Kurzreise soooo gut getan. Danach ging’s auch im Alltag leichter.
Und wie heißt es so schön: Nach der Reise ist vor der Reise. 😊