Factbox

4.400km

30.000hm

7,5 Wochen

37x Wildcamping


15 Tage mit Regen

50 Kanelboller

1 Patschen

Frei sein, Natur spüren – ein skandinavischer Sommernachtstraum!

Mit Muskelkraft und über 35kg Gepäck ging es in knapp 7 Wochen getreu dem Motto „der Weg ist das Ziel“ entlang der Küste von Kopenhagen bis ans Nordkap und dann vom Norden Dänemarks bis Hamburg zurück.

Die eigenen Grenzen ausloten, das Radeln im Regengewand lieben lernen und immer wieder belohnt werden beim Schlafen unterm Sternenhimmel, dem Bestaunen der Mitternachtssonne und dem morgendlichen Blick auf gewaltige Fjorde und die atemberaubende Natur. Das Schönste wie immer: Die Begegnungen mit Einheimischen und anderen Radreisenden.

Mitte Juni ging es los. Fix war bis zu diesem Zeitpunkt nur, dass wir zu zweit von Kopenhagen nach Oslo radeln. Ob es dann für mich alleine nördlich weitergehen sollte oder ich nach Frankreich abbiegen würde, das hatte ich mir offen gelassen. Der Weg ist das Ziel. 😉 Wissentlich, dass ich entweder warme Kleidung oder Badesachen von Oslo mit nachhause schicken konnte, habe ich mich beim Packen nicht zurückgehalten 😉.

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Zum Ausgangspunkt ging es mit dem Flixbus. 17 Stunden von München nach Kopenhagen. Was für ein toller Startpunkt. DIE Radstadt schlechthin.

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Nach 45 Kilometern entlang der Küste setzten wir schon über nach Schweden und fuhren von Helsingborg in acht Tagen die 755 Kilometer nach Oslo. In Göteborg mussten wir wegen des starken Regens aufs Schlafen im Zelt verzichten und im wunderschönen Fischerort Fjällbacka gönnten wir uns einen Ruhetag.

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Von Oslo ging es dann alleine weiter. Die Badesachen und Kleider wurden mit nachhause geschickt und der Reisekompass zeigte Norden als Richtung an. Von Oslo ans Nordkap war es in etwa so weit wie von Oslo nach Rom. Ein unfassbar langes Land, dieses Norwegen. Aber bis ans Nordkap war es noch ein weiter (fast 2.600 Kilometer) Weg. Bis Trondheim brauchte es viel Durchhaltevermögen – viel Regen, sehr kalte Nächte, an einem Abend Bekanntschaft gemacht mit den Midgets, kaum einladende Infrastruktur (wie sehr hätte ich mir in diesen Tagen ein französisches Café oder Bistrot gewünscht). Da gab es nur eine Devise: schnell fahren und Meter machen. Highlights: Einen Elch in unmittelbarer Nähe gesehen, Reisebegleitung getroffen und den schrägsten Schlafplatz gefunden. Wie schön war das Ankommen in Trondheim, das Duschen und Aufwärmen in einem Hostel, das Waschen und Trocknen der Wäsche und das köstliche Abendessen mit frischen Zutaten.
Besonders in Erinnerung bleiben mir von dieser Etappe zwei Unterkünfte: einmal der Unterschlupf bei einer aufgelassenen Burgerbude (neben einer Tankstelle, direkt an der Hauptstraße und mit einem Mistkübel voll duftender Windeln) und die Aussichtsplattform Bjørumsklompen, 112m oberhalb von Namsos, die 24h geöffnet hat und sich somit für eine Nacht im Trockenen angeboten hat.

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Von der Wikinger- und Studierendenstadt Trondheim ging es dann im Zick-Zack-Kurs entlang der Fjiorde bis zur Kulturhauptstadt Bodø. In etwa 670 Radkilometer sind es zwischen den beiden Städten und die Landschaft wird hier immer schöner. Ab nun an gibt es viele Brücken zu überqueren und man setzt mit Fähren über, die Fjorde, Inseln und Halbinseln miteinander verbinden. Neben schneebedeckten Bergen, dem Meer und saftigen Wiesen sieht man auch immer mehr Gleichgesinnte, die von allen Ecken Europas kommen. So viele verschiedene Lebensgeschichten, Generationen, Sprachen, Kulturen. Verbindend ist die Leidenschaft fürs Radreisen und das gemeinsame Ziel, das Nordkap zu erreichen. Kurz vor Bodø überquert man den Polarkreis, von nun an verschwindet die Sonne also nicht mehr hinter dem Horizont und es bleibt hell. Die sogenannte Mitternachtssonne bleibt hier in etwa von Ende Mai bis Ende Juli.
Die Highlights auf diesem Abschnitt waren die Elchsichtungen, eine besonders schöne Begegnung mit Einheimischen, eine Einführung ins Angeln durch andere Touristen, die Erfrischung (wären bei den Außentemperaturen nicht unbedingt nötig gewesen) beim Schwimmen in den Fjorden und die langen Gespräche mit anderen Radreisenden, abends am Lagerfeuer.

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Es wird landschaftlich immer noch schöner und abwechslungsreicher. Kitschig schön.
Von Bodø geht es mit der Fähre auf die bekannten und touristischen Lofoten. Der erste Ort, Reine, war zwar ziemlich überlaufen, dafür gab es dort den besten Kaffee und köstlichen Kuchen. Gestärkt ging es dann staunend über die Insel, mal allein und dann wieder in Begleitung lieber Reisebekannten. Highlights auf der Inselgruppe der Lofoten waren der Besuch bei einer Nachbarin aus der Heimat, die sich diesen wunderschönen Platz als neues Zuhause gewählt hat, und das erste Mal die Mitternachtssonne bestaunen. Wenn Sonnenuntergang und Sonnenaufgang miteinander verschmelzen, taucht die Mitternachtssonne die Landschaft in ein tiefes Orange-Rot. An diesem Naturschauspiel kann man sich nicht sattsehen und nimmt auch das Schlafdefizit gerne in Kauf. Auf dem Weg nach Tromsø war eine Insel schöner als die andere. Besonders gut gefallen hat es mir auf Senja (eine Besteigung des 639m hohen Aussichtsbergers Segla lohnt sich). In Tromsø gab es wieder eine Nacht im Hostel mit warmer Dusche und Waschmaschine – wie schön. Nach einem feinen Frühstück und der Besichtigung der wichtigsten Sehenswürdigkeiten ging die Reise weiter….

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Der letzte Abschnitt führte mich ca. 600km von Tromsø durch die Lyngenalpan und die Provinz Finnmark, das Land der Samen, über die Hochebene Sennalandet bis zum gefürchteten Nordkap-Tunnel (wenn man erst spätabends durchfährt, sind die 7km und 200hm runter bzw. dann wieder rauf, nicht so schlimm), der auf die Insel Magerøya führt. Kurz nach dem Ort Honningsvag gibt es zur Feier des Tages noch ein Festmahl und nach einem sehr kurzen Schlaf geht es frühmorgens los…

Was für ein unglaubliches Gefühl, am nördlichsten Punkt Europas (gut, darüber lässt sich streiten, wo genau dieser nördlichste Punkt ist) angekommen zu sein. Die letztes Etappe, 30 Kilometer und knapp 700 Höhenmeter, frühmorgens und in absoluter Stille, war etwas ganz Besonderes. So viele Emotionen, so viele Eindrücke zu verarbeiten, so eine tiefe Dankbarkeit und Glücksgefühle, die mich da begleiteten. Mehr als 24 Stunden habe ich dann am Nordkap verbracht, alleine und in Gesellschaft anderer Radreisender, bei schönstem Wetter und bei Regen und Sturm. Beim bekannten und beim „echten“ Nordkap (dazu muss man ca. 16km zurückfahren und eine Wanderung mit Gesamtdauer von rund 5 Stunden in Kauf nehmen)gewesen, im Nordpolarmeer geschwommen, 2 Stunden Wale und Robben beobachtet, zum Abschluss noch einmal die Mitternachtssonne bestaunt. Was für ein großes Geschenk, dieses Wetterglück und diese unvergesslichen Momente beim grande finale. So abwechslungsreich wie die ganze Reise war, so war auch das Ankommen und Verweilen am Ziel.

Ich habe mich dann für den langsamen Weg nachhause und gegen das Fliegen entschieden. Durch Norwegen musste ich mit dem Schiff, weil ich keine Rad-Reservierung für Zug/Bus bekommen hatte. Sehr teuer und anfangs war die Dekadenz an Bord schwer auszuhalten. Die Sehnsucht nach meinem Rad konnte ich mit Trainingsheiten am Ergometer stillen. Und an den Luxus (ein eigenes Bett, das Essen wird gekocht..) gewöhnte ich mich dann doch recht schnell ;-). Highlight war die Fahrt in die Fjordarme, besonders schön war der Trollfjord (mit „green“ ferry fast geräuschlos). Nach einer Erkundungstour – bei Schönwetter – in Bergen ging es nach Dänemark. Über diesen Abschnitt der Heimreise berichte ich hier.

Tipps:

Anreise: Flixbus-Verbindungen ab MUC sind ok und kostengünstig. Bei der Rückreise wäre der Flug ab Alta oder Tromsø mit Abstand die billigste und schnellste Reisemöglichkeit gewesen. Ich bin stattdessen langsam mit Schiff, Rad und Bus heimgefahren. Viel teurer, aber wunderschön. So konnte ich alle Eindrücke verarbeiten, hab erst so richtig ein Gefühl für die geradelten Distanzen bekommen und auch meine Seele hatte Zeit zum langsam ankommen.

Unterkunft: Das Jedermannsrecht ermöglicht das Wildcampen – unterm Sternenhimmel, in der Mitternachtssonne, am Fjord, am Fußballplatz, am Berg, neben der Straße, auf Feldern und Wiesen…fast überall. Gibt’s was Schöneres?
Ansonsten ist für Kopenhagen noch das Steelhouse zu empfehlen, ein modernes, gut gelegenes und preiswertes Hostel

Hilfreich: Komoot Routenplanung, Shelter-App für Dänemark