
L’Eroica –
Das legendäre Radrennen durch die Toskana
Die Faszination des historischen Radsports: Über die strade bianche durch das schönste Stück der Toskana
Jedes Jahr im Oktober verwandelt sich der malerische Ort Gaiole im Chianti, einem der bekanntesten Weinbaugebiete der Toskana, in das Zentrum des historischen Radsports. L’Eroica das Woodstock für Oldtimer-Radfahrer, zieht tausende Enthusiasten aus der ganzen Welt an. Was 1997 ins Leben gerufen wurde, ist heute mehr als nur ein Radrennen – es ist eine Zeitreise durch die Geschichte des Fahrradsports.
Echte Klassiker beim Retro Gravel Race
L’Eroica ist ein Rennen für Liebhaber von klassischen Fahrrädern: Es sind nur Stahlräder zugelassen, die vor 1987 gefertigt wurden. Wer sich der Herausforderung stellt, trägt traditionell Trikots aus Wolle, Lederschuhe und eine Baumwollkappe – alles, was den Charme vergangener Radsporttage ausstrahlt. Die Teilnehmer können sich je nach Fitnessniveau für eine von fünf Distanzen entscheiden: von der kurzen 46 km-Strecke bis hin zur anspruchsvollen 209 km-Tour mit nahezu 4.000 Höhenmetern.
Die Freude am Schinden – Klingt wie ein Martyrium, ist für Tausende ein Traum
Das Rennen fordert den letzten Schweißtropfen – und doch ist es für viele ein absolutes Highlight im jährlichen Rennkalender. Die Strecke führt über unbefestigte „strade bianche“ (weiße Straßen) und beinhaltet zum Teil furchteinflößende Anstiege mit bis zu 20 Prozent Steigung. Besonders im Oktober kann das Wetter unbeständig sein, und Regen sowie Schlamm machen das Rennen zusätzlich herausfordernd. Dennoch überwiegt für die meisten Teilnehmer der Traum, diesen einzigartigen Wettkampf zu erleben.
L’Eroica 2024
Weiße Straßen, roter Wein – strade bianche, toskanische Köstlichkeiten und Chianti
Die Verpflegungsstationen entlang der Strecke sind mehr als nur Rastplätze – sie sind kulinarische Highlights. Statt Gels und Power-Riegeln gibt es hier traditionelle toskanische Spezialitäten wie Pasta, Wurstwaren und Gemüseeintopf. Der Chianti fließt (in Strömen) und sorgt dafür, dass die Teilnehmer die letzten Kilometer statt mit schmerzverzerrten Gesichtern mit einem Lächeln auf den Lippen hinter sich bringen.
Alles rollt und keiner verliert – der wahre Gewinn ist die Teilnahme
Die l’Eroica ist kein Rennen, bei dem es um Geschwindigkeit geht. Die Vintage-Fahrer radeln, von wenigen Ausnahmen abgesehen, nicht besonders schnell, sehen dabei aber ungemein gut aus auf ihren Oldtimern und in ihren Wolltrikots 😉. Wichtiger als Geschwindigkeit ist der Genuss. Früher oder später sollte man nur wieder im Start- und Zielort Gaiole ankommen, um gemeinsam mit den anderen Teilnehmern eine unvergessliche Ausfahrt ausklingen zu lassen und die unvergesslichen Momente zu teilen.
Ich wurde 2018 mit dem l’Eroica Virus infiziert und liebe die Oldtimer-Ausfahrt ebenso wie das Drumherum – vom Vintage-Markt über die Feste im Ort mit Musik und die vielen schönen Begegnungen und Gespräche mit Gleichgesinnten. Die Atmosphäre im im kleinen toskanischen Ort ist ebenso einmalig wie die Streckenführung und -beschaffenheit.
Meine Tipps: Nicht nur für das Rennen anreisen, sondern gleich mit einem (Kurz-)Urlaub kombinieren und auch andere Strecken durch die Toskana mit dem Rad erkunden. Die 135er Strecke mit knapp 2500hm empfinde ich als ideale Distanz. Wichtig ist eine frühe Anmeldung und zeitnahe Buchung der Unterkunft (dann bekommt man vielleicht auch noch einen Platz in der Nähe von Gaiole).